Vom Verblassen der Bilder

The Uncanny and the Fading of Images

In 1919, Sigmund Freud published a text on "The Uncanny" (Das Unheimliche). What remains fascinating is how Freud traces the etymological origins of the uncanny. In doing so, he refers to Daniel Sanders’ "Dictionary of the German Language," published in 1859, and incorporates the unabridged definition of the word heimlich (secret/homely) into his essay.

Initially, the term heimlich was synonymous with heimisch—meaning familiar, domestic, or "of the home." However, because that which is heimlich in this sense suspiciously withdraws from the public eye, the term developed the negative connotation familiar to us today. That which was originally familiar and "homely" increasingly approached its opposite: the uncanny (das Unheimliche).

The moment in which the familiar transforms into the uncanny is significant for the theme of work, Vom Verblassen der Bilder (On the Fading of Images).

In this sense, the natural disasters depicted in Martini’s current series—events often triggered by short-sighted human action, leaving the individual utterly helpless—serve as a symbol for a subtle sense of threat mediated through the press.

Earth, home, language, house, culture, retirement security—everything seems under threat.

In the age of globalization, where things seemingly open up to us and we can gain more insight into contemporary events, we become alienated from this world. This is because the limitations of our own agency become painfully clear when faced with the mediated world.

The flood of images seems overwhelming. We are surrounded by uncanny images pressing from all channels into our home—into our Heimliches. When a new catastrophe strikes, the previous one must fade; no other protective mechanism remains to stay heimisch (at home/settled) within ourselves.

Vom Unheimlichen und dem verblassen der Bilder

Im Jahre 1919 veröffentlichte Sigmund Freud einen Text über „Das Unheimliche“.

Interessant daran erscheint, wie Freud die Bedeutungsherkunft des Unheimlichen nachvollzieht (Dabei bezieht er sich auf Daniel Sanders „Wörterbuch der Deutschen Sprache“ welches 1859 erschien und nimmt den ungekürzten Beischreibungstext des Wortes Heimlich mit in seine Schrift auf).

Zunächst war der Begriff heimlich gleichbedeutend mit heimisch, also vertraut. Da sich das in diesem Sinne Heimliche aber verdächtig dem Blick der Öffentlichkeit entzieht, entwickelte der Begriff seine uns heute geläufige, negative Konnotation. Das eigentlich Vertraute, Heimliche, näherte sich mehr und mehr seinem Gegenteil an, dem Unheimlichen.

Der Moment, in dem sich in uns Vertrautes in Unheimliches verwandelt, ist bedeutsam für das Thema der Arbeit Vom Verblassen der Bilder.

Insofern steht in Victoria Martinis aktuellen Bilderserie die Naturkatastrophe, ein mitunter durch kurzsichtiges menschliches Handeln hervorgerufenes Ereignis, dem das Individuum absolut hilflos ausgeliefert ist, sinnbildlich für ein subtiles Gefühl der Bedrohung, das medial vermittelt wird.

Erde, Heimat, Sprache, Haus, Kultur, Altersvorsorge, alles scheint bedroht.

Im Zeichen der Globalisierung in welchem sich die Dinge scheinbar für uns öffnen und wir mehr Einblick in das Geschehen der Zeit nehmen können werden wir dieser Welt entfremdet denn die Beschränktheit unseres eigenen Handlungsspielraumes wird uns mit dem Blick auf die mediale Welt bewusst.

Die Flut an Bildern scheint überwältigend. Wir sind umzingelt von unheimlichen Bildern, die auf allen Kanälen in unser Heim, in unser Heimliches, drängen. Kommt eine neue Katastrophe, muss die letzte verblassen, ein anderer Schutzmechanismus bleibt nicht, um heimisch zu bleiben.