Points / 120 hours / various threads on cotton / 48 x 56 cm /2025
Präsenz des Verborgenen
In der künstlerischen Arbeit von Victoria Martini wird das Vergehen der Zeit zur fühlbaren Textur. Ihr Entstehungsprozess folgt einem meditativen Fluss, in dem sich die physische Bewegung des Körpers unmittelbar in das Werk überträgt. Jeder Stich und jede Pause entspringen einem intuitiven Rhythmus; das Sticken wird zu einem Akt der körperlichen Verankerung, bei dem sich die Dauer des Augenblicks durch die Handbewegung Schicht für Schicht in den Bildgrund einschreibt.
Besonders in ihren Arbeiten mit schwarzem Garn auf schwarzem Grund strahlen die Werke eine subtile, fast schwebende Eleganz aus. Durch das präzise Zusammenspiel von matten und schimmernden Fäden sowie verborgenen Farbakzenten erzeugt die Künstlerin eine bewusste Irritation. Das Werk ist niemals statisch; es antwortet unmittelbar auf den natürlichen Lauf des Tages und die jeweilige Lichtintensität.
Dabei wohnt den Arbeiten eine faszinierende Ambivalenz inne: Je nach Einfallswinkel des Lichts treten die Strukturen plastisch hervor oder entziehen sich gänzlich dem Blick. Dieses Wechselspiel zwischen Offenbarung und Rückzug macht das Bild zu einem lebendigen Zeitmesser. Es fordert den Betrachter heraus, denn das Werk gibt sich nicht auf den ersten Blick preis. Erst durch die Verlangsamung offenbart sich hinter der vermeintlichen Strenge eine feine, vielschichtige Schönheit – nur wer verweilt und sich auf den Rhythmus des Lichts einlässt, kann die Nuancen und das stille Pulsieren im Werk von Victoria Martini wahrnehmen.
Presence of the hidden
In the artistic work of Victoria Martini, the passage of time becomes a tangible texture. Her creative process follows a meditative flow, in which the physical movement of the body is directly transferred into the work. Every stitch and every pause arises from an intuitive rhythm; the act of embroidery becomes a form of physical anchoring, where the duration of the moment is inscribed layer by layer into the surface through the movement of the hand.
Particularly in her works using black thread on a black background, the pieces emanate a subtle, almost ethereal elegance. Through the precise interplay of matte and shimmering threads, as well as hidden color accents, the artist creates a deliberate sense of irritation. The work is never static; it responds directly to the natural course of the day and the shifting intensity of light.
A fascinating ambivalence dwells within these works: depending on the angle of light, the structures emerge prominently or withdraw entirely from view. This interplay between revelation and retreat transforms the image into a living timepiece. It challenges the observer, as the work does not reveal itself at first glance. It is only through slowing down that a fine, multi-layered beauty unfolds behind the perceived austerity—only those who linger and engage with the rhythm of the light can perceive the nuances and the quiet pulsation in Victoria Martini’s work.