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Präsenz des Verborgenen
Die künstlerische Arbeit von Victoria Martini besticht zunächst durch eine subtile Eleganz. Ihre Werke ziehen den Betrachter durch eine feine, fast zerbrechliche Ästhetik an, die Ruhe und Klarheit ausstrahlt. Doch was auf den ersten Blick als rein formale Komposition erscheint, entfaltet bei näherer Betrachtung eine tiefere, konzeptionelle Ebene.
Unter dem Leitbegriff der Zeitprotokolle materialisiert Martini die Dauer als physische Textur. In einem Prozess extremer Entschleunigung entstehen serielle Setzungen, die Schicht für Schicht Zeit in den Bildgrund einschreiben. Das Medium wird hierbei zum funktionalen Informationsträger von Licht und Schatten. Erst durch die Bewegung des Betrachters und den wechselnden Lichteinfall erwacht die Oberfläche und offenbart eine vielschichtige Präsenz, die sich dem flüchtigen Blick entzieht.
Dieses Spiel zwischen unmittelbarer Schönheit und konzeptioneller Strenge ist tief verwurzelt in Martinis täglichem Studium natürlicher Rhythmen. Ihre Arbeiten sind eine Einladung, über das rein Dekorative hinauszugehen und die Präsenz des Verborgenen in der Stille wahrzunehmen.
Presence of the Hidden
The artistic work of Victoria Martini initially captivates through a subtle elegance. Her pieces draw the viewer in with a delicate, almost fragile aesthetic that radiates calm and clarity. Yet, what appears at first glance to be a purely formal composition reveals a deeper, conceptual layer upon closer inspection.
Under the heading Protocols of Time, Martini materializes duration as a physical texture. In a process of extreme deceleration, she creates serial placements that inscribe time, layer by layer, into the surface. The medium becomes a functional carrier of light and shadow. Only through the viewer's movement and the shifting light does the surface awaken, revealing a multi-layered presence that eludes a superficial gaze.
This interplay between immediate beauty and conceptual rigor is deeply rooted in Martini’s daily study of natural rhythms. Her works are an invitation to move beyond the purely decorative and to perceive the presence of the hidden within the silence.